26.03.2026Geschichte

Gedenktafel am ehemaligen Rudolfsheimer Sportplatz

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren Gedenktafeln auf der Schmelz, auf der Pfarrwiese sowie vor dem heutigen Block West für das Gerhard-Hanappi-Stadion enthüllt wurden, präsentierte der SK Rapid am Mittwoch auch auf der letzten ehemaligen Spielstätte in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus eine neue Tafel.

In Anwesenheit von Geschäftsführer SK Rapid Steffen Hofmann, Präsidiumsmitglied Nurten Yilmaz, Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht sowie zahlreichen Rapid-Fans wurde am Leopold-Mistinger-Platz die Gedenkstätte der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Rudolfsheimer Sportplatz war von 1903 bis 1912 die zweite Heimat des SK Rapid entlang der Hütteldorfer Straße/Selzergasse und ist für zwei besondere Traditionen „verantwortlich“: 1906 erfolgt hier der Wechsel von Blau-Rot zu Grün-Weiß, den Farben Rudolfsheims. 1908 findet im Neuen Wiener Tagblatt erstmals die „berühmte Viertelstunde Rapids“ Erwähnung.

Neben zahlreichen Informationen in deutscher und englischer Sprache sowie dem ersten bekannten Teamfoto nach dem Farbwechsel 1906 sind als Besonderheit auf der Rückseite der Tafel dank der Unterstützung des Rapidarchivs erstmals die Ergebnisse aller 160 Rapid-Spiele auf diesem Platz gesammelt zu lesen.

Die Tafel ist ab sofort am Leopold-Mistinger-Platz im 15. Bezirk bei der U3-Station Johnstraße (Aufgang Wasserwelt) zu sehen. Sie ist außerdem als siebente von 43 Stationen Teil des grün-weißen Stadtspaziergangs, welcher im Jubiläumsjahr 2024 ins Leben gerufen wurde.

Steffen Hofmann, Geschäftsführer SK Rapid: „Für uns als größter Fußballverein des Landes ist es wichtig, sichtbar auf unsere Geschichte und unsere Wurzeln zu verweisen. Auf diesem Sportplatz in einem Arbeiterbezirk entwickelte sich Rapid schon damals zu einem der besten Klubs der Stadt, bis heute leben wir die hier hochgelebten Werte in Form unserer Vereinsfarben und der Rapid-Viertelstunde tagtäglich. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir ab sofort bei jedem ehemaligen Sportplatz eine Gedenktafel errichten konnten. Ich möchte mich auch ganz herzlich beim Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus und Herrn Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht bedanken, die uns bei unserem Vorhaben und der Umsetzung tatkräftig unterstützt haben.“

Dietmar Baurecht, Bezirksvorsteher Rudolfsheim-Fünfhaus: „Der SK Rapid und der 15. Bezirk haben eine besonders tiefe Verbundenheit. Grün und Weiß sind die Farben von Rudolfsheim. Die Wurzeln des österreichischen Rekordmeisters und gleichzeitig populärsten Fußballvereins liegen im Herzen des Bezirks. Bis 1912 trug der SK Rapid auf seiner Heimstätte, an der sich heute der Meiselmarkt befindet, 160 Spiele aus und wurde in dieser Zeit zu einem der besten Teams der Stadt, welches nationale und später internationale Erfolge und Sternstunden verzeichnet hat. Seit damals besteht diese enge Verbindung.“

Julian Schneps, Leiter Rapideum: „Mit der Enthüllung dieser Tafel haben wir nun auf jeder unserer ehemaligen Heimstätten eine bleibende Erinnerung in unserer Stadt. Der Rudolfsheimer Sportplatz war zwar nur neun Jahre lang die Heimat unseres Vereins, ist aber für unsere Identität bis heute von großer Bedeutung, da hier die Ursprünge der Rapidviertelstunde liegen sowie der Wechsel zu unseren grün-weißen Farben.“

v.l.n.r.: Rapideum-Leiter Julian Schneps, Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht, Geschäftsführer SK Rapid Steffen Hofmann und Präsidiumsmitglied Nurten Yilmaz.
Zur Geschichte des Rudolfsheimer Sportplatzes

Am 15. März 1903 wird an der Hütteldorfer Straße/Selzergasse im damaligen 14. Bezirk mit einem Spiel gegen Graphia (0:3 n.V.) die zweite Heimat in der Geschichte Rapids feierlich eröffnet: Der Rudolfsheimer Sportplatz, in der Berichterstattung zeitweise auch als „Rudolfsheimer Spielplatz“ betitelt. Ursprünglich handelt es sich bei der Heimstätte um einen „Platz für Reservoir-Vergrößerungen“, eine freigehaltene Fläche neben dem Trinkwasserreservoir der Stadt Wien.

Das neue Zuhause ähnelt im Gegensatz zur Schmelz bereits mehr einem Fußballfeld, hat aber ein besonderes Charakteristikum: Der Höhenunterschied vom nördlichen zum südlichen Tor beträgt knappe zwei Meter. Biegt man heute in die Selzergasse ein, so ist erkennbar, wie es den Fußballern auf diesem Platz damals erging. Dennoch wurden hier sogar Länderspiele durchgeführt.

Über den Bezirk hinaus ragt seit 1898 die Rudolfsheimer Pfarrkirche am angrenzenden Kardinal-Rauscher-Platz. Somit hat der Platz einen für die damalige Zeit besonderen Zusatz: Eine eigene Spielplatzuhr. Lokale dienen bereits damals zum Verweilen und Diskutieren über das Spiel, einige werden auch als Umkleidekabinen genutzt, wie die damalige Gastwirtschaft Obadalek (heute Gasthaus Heidinger) am Rande des Platzes.

1906 wird der Platz umgebaut und mit Kabinen inkl. Duschen ergänzt – damals eine Seltenheit. Bei der Wiedereröffnung im Juni 1906 spielt Rapid erstmals in Grün-Weiß gegen die Vienna, die Farben des alten Rudolfsheimer Wappens. Eine andere Überlegung zum Farbwechsel bezieht sich auf die Farben der Straßenbahn: Bis 1907 haben die Straßenbahnen Wiens aufgrund der hohen Analphabetismusrate keine Nummern-, sondern Farbsignale. Und die Straßenbahn, die 1906 auf der Strecke des 49ers fährt, trägt die Farben Grün-Weiß-Grün-quergestreift – ebenso wie Rapids erstes bekanntes Trikot in den neuen Farben.

Im Jahr 1910 wird Rapid überraschend der Pachtvertrag des Geländes gekündigt, was den Verein vor große Probleme stellt und einen Umzug in der Saison 1911/12 erfordert. Mit der Pfarrwiese in Hütteldorf findet sich schlussendlich eine neue Heimstätte - die erst wenige Jahre zuvor errichtete Tribüne wird aus Rudolfsheim mitübersiedelt.

Das alltägliche grün-weiße Leben findet aber noch Jahrzehnte lang in der Umgebung statt, vor allem im Klubcafé Holub an der Hütteldorfer Straße/Kannegasse, welches bis 1949 Treffpunkt und Sekretariat des Vereins ist.

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